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Beziehungspersönlichkeitstyp 009: Persönlichkeit und Partnerwahl – Warum wir uns zu bestimmten Typen hingezogen fühlen

Warum werden manche Menschen immer wieder von derselben Art von Person angezogen, selbst wenn sich dieser Typus bereits mehrfach als nachteilig für sie erwiesen hat? Partnerpräfer…

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Beziehungspersönlichkeitstyp 009: Persönlichkeit und Partnerwahl – Warum wir uns zu bestimmten Typen hingezogen fühlen

Die verborgene Logik der Anziehung

Warum werden manche Menschen immer wieder von derselben Art von Person angezogen, selbst wenn sich dieser Typus bereits mehrfach als nachteilig für sie erwiesen hat? Partnerpräferenzen sind weder zufällig noch rein kulturell bedingt – sie sind tief in unserer Persönlichkeitsstruktur verwurzelt. Die Forschung zeigt, dass Persönlichkeitsmerkmale systematisch vorhersagen können, was wir an einem Partner schätzen und mit wem wir letztendlich zusammenkommen.

Die evolutionspsychologischen Studien (Buss & Schmitt, 1993; Figueredo et al., 2006) und persönlichkeitspsychologischen Untersuchungen (Botwin et al., 1997) in der Wissensdatenbank enthüllen gemeinsam die Entstehungsmechanismen von Partnerpräferenzen: Ein Teil sind evolutionär vererbte universelle Tendenzen (wie Männer generell mehr Wert auf körperliche Attraktivität legen, Frauen mehr auf Ressourcenbeschaffungsfähigkeit), der andere Teil sind persönlichkeitsgetriebene individuelle Unterschiede.

Gleich und Gleich gesellt sich gern oder Gegensätze ziehen sich an?

Eine der beständigsten Debatten in der Partnerwahlpsychologie ist: Was ist wichtiger – Partnerähnlichkeit (Assortative Mating) oder Komplementarität? Die Antwort aus zahlreichen empirischen Studien tendiert zur Ähnlichkeit – insbesondere bei Werten, Bildungsniveau, religiösen Überzeugungen und sozioökonomischem Status. Auf der Persönlichkeitsebene ist der Zusammenhang zwischen Partnern zwar nicht so hoch wie auf der Werteebene, aber dennoch deutlich vorhanden.

Metaanalytische Daten zeigen, dass die Korrelation zwischen Partnern bei den Big Five Persönlichkeitsmerkmalen etwa 0,10–0,25 beträgt – zwar nicht hoch, aber deutlich größer als Null. Dabei sind die Zusammenhänge bei Offenheit (Einfluss auf politische Einstellungen, religiöse Ansichten) und Gewissenhaftigkeit (Einfluss auf Lebensgewohnheiten, Zielverfolgung) am höchsten. Das bedeutet, dass zwar „Gegensätze ziehen sich an" in bestimmten Kontexten existiert, aber das häufigere Muster bei der langfristigen Partnerwahl die „homogame Paarung" ist – wir neigen dazu, uns zu Menschen hingezogen zu fühlen, die uns ähnlich sind.

Es gibt jedoch eine wichtige „Bedingungsabhängigkeit": Die Bedeutung der Ähnlichkeit kann vom Merkmal selbst abhängen. Bei Werten und Lebensstil scheint Ähnlichkeit entscheidend zu sein; bei bestimmten Persönlichkeitsdimensionen können moderate Unterschiede jedoch vorteilhaft sein. Beispielsweise kann eine hoch ängstliche Person mit einer emotional stabilen Person gepaart werden, wobei letztere als „Stabilisator" in der Beziehung fungieren kann.

Wie Persönlichkeitsmerkmale die Partnerwahlkriterien formen

Menschen mit unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmalen legen bei der Partnerwahl unterschiedliche Dinge wert. Studien zeigen, dass Menschen mit hoher Offenheit mehr Wert auf die Intelligenz, Kreativität und Offenheit für neue Erfahrungen des Partners legen.
Menschen mit hoher Gewissenhaftigkeit legen mehr Wert auf die Zuverlässigkeit, Organisationsfähigkeit und Bereitschaft zu langfristigen Verpflichtungen des Partners; Menschen mit hoher Extraversion legen mehr Wert auf die Geselligkeit und Energie des Partners; Menschen mit hoher Verträglichkeit legen mehr Wert auf die Wärme, Freundlichkeit und Kooperationsbereitschaft des Partners; Menschen mit hohem Neurotizismus zeigen möglicherweise eine höhere „Kritikfreudigkeit" bei der Partnerwahl: Sie reagieren empfindlicher auf die Mängel potenzieller Partner und fällen schwerer Entscheidungen über eine Bindung.

Diese Präferenzen sind nicht nur „Geschmackssache", sie spiegeln das unbewusste Bedürfnis des Individuums wider, seine eigene Persönlichkeitsstruktur zu ergänzen und abzugleichen. Ein hoch gewissenhafter Mensch braucht einen ebenso zuverlässigen Partner, um die von ihm geschätzte Ordnung und Stabilität aufrechtzuerhalten; ein hoch offener Mensch braucht einen intellektuell resonanzfähigen Partner, um seine Neugier und seinen Entdeckungsdrang zu befriedigen.

Bindungsstil und Partnerwahl – Die verdeckte Filterung von Sicherheit

Der Bindungsstil hat einen direkteren und stärkeren Einfluss auf die Partnerwahl als Persönlichkeitsmerkmale. Menschen mit einem sicheren Bindungsstil fühlen sich tendenziell zu anderen sicheren Menschen hingezogen – sie werden von denen angezogen, die stabile, vorhersehbare emotionale Unterstützung bieten können. Dies ist eine gesunde Form der „Gleich-und-Gleich-Anziehung".

Menschen mit ängstlichem und vermeidendem Bindungsstil können jedoch in ungesunde Anziehungsmuster geraten. Ängstliche Menschen fühlen sich oft stark zu vermeidenden Menschen hingezogen – deren emotionale Unerreichbarkeit aktiviert geradezu das Bindungssystem der ersteren. „Er/sie ist immer unbestimmt, schwer fassbar" kann von ängstlichen Individuen fälschlicherweise als „starke Anziehung" oder „chemische Reaktion" erlebt werden. Vermeidende Menschen können in der Anfangsphase einer Beziehung von der Wärme und Aufmerksamkeit eines ängstlichen Partners angezogen werden (was ihr Selbstwertgefühl befriedigt), aber mit zunehmender Tiefe der Beziehung löst die „Klammerigkeit" des anderen ihre Fluchttendenzen aus.

Diese „ängstlich-vermeidende" Paarung ist eine der häufigsten und zerstörerischsten ungesunden Kombinationen in der Beziehungspsychologie – bekannt als die „Verfolger-Verweigerer"-Dynamik. Der erste Schritt, um diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist zu erkennen: Die starke „chemische Reaktion", die du fühlst, könnte kein Zeichen von Liebe sein, sondern die Aktivierung eines Bindungstraumas.

Unbewusste Partnerwahl – Wir wissen nicht, was wir wählen

Ein Großteil der Partnerwahlentscheidungen findet unterhalb der Bewusstseinsschwelle statt. Implizite Assoziationstests (Implicit Association Test) und unterschwellige Priming-Experimente zeigen, dass wir uns zu Menschen hingezogen fühlen, die auf unbewusster Ebene ein Gefühl von Vertrautheit auslösen – selbst wenn die Quelle dieser Vertrautheit ungesunde frühe Beziehungsmuster sind.

Freud prägte als erster das Konzept des „Wiederholungszwangs" (Repetition Compulsion): Menschen neigen dazu, in erwachsenen Beziehungen unbewusst die Beziehungsmuster ihrer Kindheit nachzustellen. Eine Person, die mit kritischen Eltern aufgewachsen ist, könnte sich wiederholt zu kritischen Partnern hingezogen fühlen. Nicht weil diese Dynamik sie glücklich macht, sondern weil sie sich dadurch „vertraut" und „normal" anfühlt.

Die evolutionäre Logik dieses unbewussten Partnerwahlmechanismus könnte sein: Vertraut = vorhersagbar = sicher. Das Problem ist jedoch, dass für Menschen, die in unsicheren Umgebungen aufgewachsen sind, „vertraut" „ungesund" bedeutet. Der erste Schritt, um den Wiederholungszwang zu durchbrechen, ist: Die unbewusste Wahl ins Bewusstsein zu holen – durch Therapie, Selbstreflexion oder Beziehungserfahrungen mit sicheren Individuen, um die eigene „Anziehungsvorlage" zu identifizieren und herauszufordern.

Kultur, Gesellschaft und die Formung von Partnerpräferenzen

Partnerpräferenzen sind nicht nur das Produkt von Persönlichkeit und Evolution, sondern werden auch tiefgreifend von Kultur und Gesellschaft geformt. In individualistischen Kulturen wird bei der Partnerwahl mehr Wert auf persönliche Gefühle („Liebe ich ihn/sie?") und einzigartige Kompatibilität („Sind wir Seelenverwandte?") gelegt; in kollektivistischen Kulturen haben die Meinung der Familie, der soziale Status und praktische Erwägungen (wie wirtschaftliche Stabilität) ein größeres Gewicht.

Die Verbreitung von sozialen Medien und Dating-Apps gestaltet die gesamte Partnerwahl-Landschaft neu. Einerseits erweitern sie den Pool potenzieller Partner enorm und ermöglichen es Menschen, Menschen kennenzulernen, die früher unerreichbar waren. Andererseits können sie bestimmte Partnerwahl-Vorurteile verstärken – durch algorithmische Empfehlungen und das Filterverhalten der Nutzer entstehen „Filterblasen", die Menschen zunehmend auf ihre bereits bestehenden Präferenzmuster beschränken.

Bewusste Anpassung der Partnerpräferenzen

Das Verständnis der eigenen Partnerpräferenzen und ihrer Quellen ist der erste Schritt, aber das wahre Wachstum liegt in der Fähigkeit, diese Präferenzen bewusst anzupassen. Das bedeutet, zwischen „angezogen sein" und „passen" unterscheiden zu können – ersteres ist eine automatische, emotionsgetriebene Reaktion; letzteres ist eine auf rationaler Bewertung und langfristiger Überlegung basierende Entscheidung.

Eine praktische Übung ist die „Beziehungs-Checkliste": Liste die Eigenschaften auf, die dich in vergangenen Beziehungen angezogen haben, und die Eigenschaften, die sich als schädlich erwiesen haben. Suche nach Mustern – wirst du immer wieder von derselben „Art" angezogen? Was hat dir diese Art tatsächlich gebracht? Erstelle gleichzeitig eine Liste der Partnerqualitäten, die du rational für wichtig hältst, und überlege, ob es eine Diskrepanz zwischen diesen und deinem „Anziehungsmuster" gibt.

Letztendlich liegt die Weisheit der Partnerwahl nicht darin, die intuitive Anziehung völlig zu ignorieren, noch darin, sich ausschließlich auf rationale Analysen zu verlassen, sondern darin, eine integrierte Weisheit zu entwickeln: die Fähigkeit, Anziehung zu empfinden, und gleichzeitig die Fähigkeit, die Quelle und Qualität dieser Anziehung zu prüfen.

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**Referenzen und weiterführende Literatur:**

1. Buss, D. M., & Schmitt, D. P. (1993). Sexual strategies theory. *Psychological Review*, 100(2), 204-232.
2. Botwin, M. D., Buss, D. M., & Shackelford, T. K. (1997). Personality and mate preferences. *Journal of Personality*, 65(1), 107-136.
3. Luo, S., & Klohnen, E. C. (2005). Assortative mating and marital quality. *Journal of Personality and Social Psychology*, 88(2), 304-326.
4. Figueredo, A. J., et al. (2006). Consilience and life history theory. *Developmental Review*, 26(2), 243-275.
5. Eastwick, P. W., & Finkel, E. J. (2008). Sex differences in mate preferences revisited. *Journal of Personality and Social Psychology*, 94(2), 245-264.

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> *Dies ist der 009. Beitrag der Serie „Beziehungspersönlichkeitstypen".*

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